Nach Absolvierung einer Ausbildung als Designerin an der Wiener Modeschule Hetzendorf sowie eines vierjährigen Studiums der Malerei bei Professor Anselm Grand begann die internationale Designerkarriere der am 26. 8. 1945 als Carola Reck in Gmünd geborenen Künstlerin.

Die anhand der streng graphischen Entwürfe, welche im Laufe ihres beruflichen Werdegangs in schier endlosen Mengen aus der Taufe gehoben wurden, typisierbare Stilistik findet bis heute einen weltweiten, kulturübergreifenden Zuspruch. Allerdings vermag man bei ihrer Betrachtung nur eine Seite der Carola Kindermann zu erkennen. Das Gesamtbild zeugt indes von einem viel weiteren Spektrum und hinsichtlich der neueren Arbeiten abseits des graphischen Werks von einer starken Dualität. Während sich die Designerin Kindermann stets einer bedingungslosen Präzision in der Schöpfung sowohl vegetabiler als auch geometrischer Muster verschrieben hatte, kehrte die Malerin Kindermann in kontinuierlicher Weise aller dekorativen Ornamentik den Rücken.

In den 80er-Jahren machen diverse Landschaftsmalereien in Eitempera bereits eine evidente Gegenbewegung zur zeichnerischen Seite deutlich. Alte Grenzen werden aufgehoben, neue gezogen, die Couleurs wechseln nicht in schablonierbaren Farbauszügen, sondern changieren innerhalb aufgelöster, mit gleichermaßen lockeren wie kraftvollen Pinselstrichen angelegter Flächen.

Im Laufe der 90er-Jahre suspendiert die vermehrt auf großformatigen Leinwänden und oftmals in Öl und Gouache artikulierte Malerei Carola Kindermanns zeitweise einen gegenständlichen Ursprung, um mit noch unreglementierterer Spontaneität die impulsive Eindringlichkeit und Reinheit eines außernatürlichen Schöpfungsaktes zu demonstrieren. Fallweise Bezüge zu oft irrealen Motiven werden erst während des Arbeitsvorganges aufgenommen und weiterverfolgt, sodaß die Grundlage eine abstrakte und das Ergebnis ein verschleiertes bleibt. Ebenso entstehen aber auch reine Gefühlswelten, welche allein durch die in ihnen festgehaltene zugleich improvisatorische wie treffende Komposition und Stimmung eine Atmosphäre seelischer Befindlichkeit vermitteln beziehungsweise gar diese auf den Betrachter zu übertragen imstande sind. Gehäuft wird in vielschichtigen Mischtechniken ein Ebenenwerk mit starker Tiefenwirkung erzielt, welches durch die Verarbeitung unüblicher Materialien noch eine weitere Wirkungsdimension erfährt.

Die neueren Tuschemalereien stellen nicht nur die Möglichkeit einer mit minimaleren Mitteln erzielten piktoralen Abgerundetheit unter Beweis, sondern bestechen durch ein eruptives kaligraphisches Moment, welches in einer solch gezielten Linienführung oft nur fernöstlichen Meistern dieser Tradition zu eigen ist. Erst unter dem Gesichtspunkt, daß in einer derartigen Technik jegliche nachträgliche Korrektur unmöglich gemacht wird, kann ermessen werden, inwieweit geschulter Blick und rasches, sicheres Handeln in einem pragmatischen Gleichgewicht gehalten werden müssen, um Kunstwerke wie jene der Carola Kindermann zu erschaffen. Doch möge auch bedacht werden wie eng verknüpft die hoch dosierte Konzentration auf den Schöpfungsakt mit der frei werdenden Energie desselben zu sein hat, damit diese Arbeiten nicht nur während des Zeitraums ihrer Entstehung wachsen, sondern auch nach ihrer Fertigstellung weiterleben, um den Impuls ihrer Geburt fortzutragen.

Leander McMennkins

 

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